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Fragen und Antworten (FAQs):

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Psychologen, einem Psychiater, einem (psychologischen) Psychotherapeuten und einem psychologischen Berater nach dem Heilpraktikergesetz? Und welche Aufgaben haben Neurologen und Neuropsychologen?

Wann sind Medikamente sinnvoll und wann eine Psychotherapie?
Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Liege ich bei der Psychotherapie vor allem auf der Couch und erzähle
über meine Kindheit? Dauert eine Psychotherapie viele Jahre?

Liegen psychische Erkrankungen eher an den Genen oder eher an der Erziehung und kritischen Erlebnissen in der Kindheit? Welche Rolle
spielt die Gegenwart?


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Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Psychologen,
einem Psychiater und einem (psychologischen) Psychotherapeuten?

Was machen psychologische Berater nach dem Heilpraktikergesetz?

Und welche Aufgaben haben Neurologen und Neuropsychologen?

Im Allgemeinen werden diese Berufsbezeichnungen durcheinander
geworfen und auch in der Presse oft wie Synonyme eingesetzt.

Allerdings unterscheiden sich diese Qualifikationen und auch die damit verbundenen Aufgabengebiete erheblich. Anhand des nachfolgenden
Textes können Sie sich einen schnellen Überblick hierüber verschaffen.

Nur die Angehörigen dreier Berufsgruppen dürfen nach einer psychotherapeutischen Fachweiterbildung die Fachbezeichnung "Psychotherapeut" führen: Zum einen sind dies der Psychologe und
der Arzt. Zum anderen können auch Pädagogen und Sozialpädagogen
(und in Baden-Württemberg auch Grund- und Hauptschullehrer) den
Titel "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut" tragen. Der Titel "Psychotherapeut" bezeichnet also keinen Grundberuf, sondern eine Fachausbildung, welche auf drei verschiedenen Grundberufen
basieren kann.

Diplom-Psychologen absolvieren für diesen Titel nach ihrem Studium in Psychologie eine fachpsychologische Weiterbildung von mindestens 4200 Stunden, verbunden mit einem Staatsexamen und der Approbation,
und nennen sich dann "Psychologischer Psychotherapeut". Sie dürfen
Erwachsene und mit einer Zusatzqualifikation auch Kinder und Jugendliche behandeln. Pädagogen absolvieren eine im Umfang gleichartige Ausbildung
und nennen sich dann "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut".
Sie dürfen nur Kinder und Jugendliche behandeln.

Die Ausbildung von Ärzten zum Psychotherapeuten ist je nach Facharztgruppe recht unterschiedlich. Nach dem Medizinstudium geschieht dies meist (jedoch nicht immer) neben einer fachärztlichen Ausbildung in Psychiatrie (s.u.), Neurologie (s.u.) oder innerer Medizin. Der Anteil der psychotherapeutischen Weiterbildung variiert dabei je nach Facharztgruppe sehr stark - von 120 bis etwa 1900 Stunden. Solcherart ausgebildete Ärzte tragen dann verschiedene Titel, die allesamt das Wort "Psychotherapie" oder "psychotherapeutisch" beinhalten.

"Psychiater" hingegen ist die Bezeichnung für einen Arzt, welcher nach seinem üblichen Medizin-Studium eine Fachweiterbildung in Psychiatrie gemacht hat, welche ihn befähigt, psychische Krankheiten mit Medikamenten (Psychopharmaka) zu behandeln. Ein Psychiater rägt einen Facharzttitel, in welchem das Wort "Psychiatrie" vorkommt. Auch die Bezeichnung "Nervenarzt" meint einen Psychiater.

Heilpraktiker für Psychotherapie / Lebensberater nach dem Heilpraktikergesetz (HPG) müssen keinerlei Grundberuf oder staatliche geregelte Fachausbildung nachweisen, sondern lediglich eine Theorie-Prüfung beim Gesundheitsamt absolvieren. Oft haben sie allerdings freiwillig psychotherapeutische Weiterbildungen im Umfang von einigen hundert Stunden besucht. Sie stellen keinen akademischen Heilberuf dar und dürfen deshalb i.d.R. nicht mit privaten oder gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Den Titel "Psychotherapeut" dürfen sie nicht tragen (vgl. PsychThG, §1, Abs.1). Häufig tragen sie gesetzlich nicht geschützte Titel wie "psychologischer Berater", "Lebensberater" o.ä. zusammen mit dem Vermerk "(HPG)" oder sie bieten "Psychotherapie (HPG)" an.

Eine gute und umfangreiche Ausbildung ist für den komplizierten Prozess einer Psychotherapie unabdingbar. Weiter entscheidet aber auch die Persönlichkeit, die praktische Erfahrung und die Lebensweisheit eines Therapeuten über seine Eignung als hilfreicher Begleiter auf dem Weg der Genesung. Deshalb kann selbstverständlich prinzipiell jeder der hier vorgestellten Therapeuten ein guter Therapeut oder Lebensberater sein, unabhängig von seiner fachlichen Mindestqualifikation.

Bei einer psychischen Erkrankung ist es allerdings unbedingt ratsam, einen psychotherapeutisch ausgebildeten Psychologen oder Arzt (bei Kindern und Jugendlichen auch einen Pädagogen) mit Approbation und Arztregistereintrag aufzusuchen. Heilpraktiker sind in Fällen ausgeprägterer psychischer Erkrankung gesetzlich verpflichtet, den Patienten an einen solchen approbierten Psychotherapeuten oder Psychiater zu übermitteln.

Zu guter Letzt gibt es noch zwei weitere Berufsgruppen, welche sich mit Erkrankungen der Nerven und des Gehirns beschäftigen:

Ein Neurologe ist ein Facharzt, welcher Erkrankungen der Nerven wie z.B. Nervenleitungsstörungen, Hirnverletzungen, multiple Sklerose etc. behandelt. Diese Krankheiten stellen keine psychischen Erkrankungen dar, auch wenn solche Erkrankungen immer wieder psychische Symptome nach sich ziehen.

Ein Neuropsychologe ist ein Psychologe mit einer Fachweiterbildung, welche ihn befähigt, die Auswirkungen neurologischer Erkrankungen auf das Verhalten und Erleben eines Patienten zu diagnostizieren und mit psychologischen Mitteln zu behandeln.

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Wann sind Medikamente sinnvoll und wann eine Psychotherapie?

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Häufig wird diese Diskussion nicht ganz ideologiefrei geführt. Manche Patienten haben Angst vor der Einnahme von Psychopharmaka, andere wiederum schwören auf den hilfreichen Effekt solcher Medikamente. Unter Wissenschaftlern allerdings besteht mittlerweile weitgehend Einigkeit darüber, dass für etliche psychische Erkrankungen gilt: Psychotherapie und Medikation wirkt besser als eines davon alleine. In der Zusammenarbeit von Psychotherapeut und Psychiater liegt folglich eine große Chance.

Nicht alle Erkrankungen erfordern allerdings Medikation. Für viele Störungsbilder existieren auch noch keine geeigneten Medikamente. Manchmal können Medikamente sogar hinderlich für den Erfolg einer Psychotherapie sein. Dies ist vor allem bei Angsterkrankungen der Fall - insbesondere bei so genannten Benzodiazepinen.

Im Bereich von Psychosen (Schizophrenie u.ä.) hingegen besteht kein Zweifel daran, dass Medikamente (Antipsychotika / Neuroleptika) besser wirken, als Psychotherapie, wenngleich diese vor allem für die Rückfallprophylaxe von hoher Wichtigkeit ist.

Es gibt einige Studien, die daran zweifeln lassen, ob speziell Antidepressiva deutlich besser wirken als ein Placebo (ein Medikament ohne Wirkstoff). Weiter gibt es allerdings auch Studien, welche selbiges für einige Formen der Psychotherapie (vor allem für die klassische Psychoanalyse) nahelegen.

Bis auf die Gruppe der Benzodiazepine / Anxiolytika verursachen Psychopharmaka keine Abhängigkeiten. Die meisten ihrer Nebenwirkungen sind reversibel, d.h. wenn das Medikament abgesetzt wird, verschwinden auch mögliche Nebenwirkungen wieder vollständig. Ausnahmen gibt es vor allem bei älteren Antipsychotika wie Haloperidol. Manchmal werden von Betroffenen einige Symptome psychischer Erkrankungen auch fälschlicherweise für Nebenwirkungen der Medikamente gehalten.

Psychotherapie kann (in seltenen Fällen) ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen haben. Diese Gefährdung besteht vor allem bei intensiver emotionaler Aktivierung und einem hohen Machtgefälle zwischen Therapeut und Patient, verbunden mit dessen psychischer Entmündigung. Hilfreich zur Vermeidung dieser Nebenwirkungen sind: Transparenz des therapeutischen Vorgehens, Autonomie und unbedingte Freiwilligkeit seitens des Patienten, "menschliche Greifbarkeit" des Therapeuten (kein unpersönliches Schweben über den Dingen) und ein Fokus auf der Bewältigung der gemeinsam festgelegten Problemstellungen. Dies ist bei der modernen kognitiven Verhaltenstherapie, bei der Gesprächspsychotherapie nach Rogers und auch bei anderen modernen psychotherapeutischen Verfahren in der Regel gewährleistet.

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Liege ich bei der Psychotherapie vor allem auf der
Couch und erzähle über meine Kindheit?

Dauert eine Psychotherapie viele Jahre?

Dieses häufig in Cartoons skizzierte Bild beschreibt lediglich eine einzige Form der vielen Psychotherapie-Arten: Die klassische Psychoanalyse. Sie wird nicht mehr allzu häufig eingesetzt und ist meist mit sehr hohen Stundenzahlen verbunden (oft viele hundert Stunden über viele Jahre). Solche psychoanalytischen Langzeittherapien konnten sich in Studien nicht als wirksamer erweisen, als kürzere moderne Verfahren wie die moderne Tiefenpsychologie, die Gesprächspsychotherapie oder die kognitive Verhaltenstherapie, welche meist mit weniger als 100 Stunden auskommen (die kognitive Verhaltenstherapie oft sogar mit deutlich weniger als 50 Stunden). Wenn Sie sich also in einer Psychotherapie befinden, in welcher Sie nach einem Jahr regelmäßiger Sitzungen noch keine substantiellen Änderungen merken, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass hier etwas falsch läuft.

Auch sollte der Fokus bei moderner Psychotherapie nicht prinzipiell überwiegend auf der Kindheit liegen. Wenngleich die Kindheit wichtig ist für die Entstehung (und auch Störung) psychischer Abläufe, so ist es oft vielmehr die Gegenwart, an welcher angesetzt werden muss, um die aktuellen Probleme zu lösen.

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Liegen psychische Erkrankungen eher an den Genen oder eher an der Erziehung und kritischen Erlebnissen in der Kindheit?

Welche Rolle spielt die Gegenwart?

Der Streit zwischen Erbe (Vererbung) und Umwelt ist ein alter, welcher bis heute nicht zufriedenstellend gelöst wurde. Mit "zufriedenstellend" meine ich dabei die Möglichkeit einer einfachen Aussage wie z.B. "Bei Person X liegt ihre psychische Erkrankung Y zu 40% an ihren Genen und zu 60% an ihrer schlechten Kindheit".

Eine solche Aussage wird sich nie treffen lassen, denn das Wechselspiel von Erbe und Umwelt ist viel komplexer, als wir bisher ahnen. Neueste Forschungsergebnisse legen sogar nahe, dass die Erlebnisse eines Menschens tatsächlich sein Erbgut verändern können, welches er dann wieder an seine Kinder weitergibt - etwas, was bisher undenkbar schien.

Zwillingsstudien haben nachgewiesen, dass es für fast alle psychischen Erkrankungen wie z.B. Angststörungen, Depressionen und Schizophrenie genetische Ursachen gibt. Ebenso allerdings auch für Merkmale, die dazu beitragen, eine Karriere als Verbrecher einzuschlagen oder eine glückliche Ehe zu führen. Darüber hinaus gibt es eine Menge bisher nur spekulativer Forschung: Neben der ständigen (bisher erfolglosen) Suche nach dem "Schwulen-Gen" wird neuerdings sogar ein "Gottes-Gen" postuliert, welches dazu führen soll, dass ein Mensch gläubig ist.

Ist unser Schicksal also genetisch vorgezeichnet? Heißt das auch, dass wir daran ohnehin nichts ändern können? Haben wir gar überhaupt keine Verantwortung für unser Handeln, weil es uns ja in die Wiege gelegt wurde?

Dem ist ganz sicher nicht so: In gängigen Zwillingsstudien war es bei eineiigen Zwillingen (und weitgehend identischer Erziehung) meist nicht einmal bei 50% der Zwillinge der Fall, dass beide die gleiche psychische Erkrankung aufwiesen oder ähnliche Lebensentscheidungen trafen. Weiter gilt die Erkrankung der Schizophrenie als hoch genetisch bestimmt, dennoch erkranken etwa 80% der schizophrenen Patienten an dieser Erkrankung, ohne dass es einen Vorfahren mit dieser Erkrankung in ihrer Verwandtschaft gegeben hätte.

Es gibt muss also eine Menge weiterer Faktoren geben. Neben biologischen Schädigungen (z.B. durch negative Einflüsse auf die Entwicklung eines Kindes während der Schwangerschaft) deutet dies auf die ebenfalls hohe Bedeutung der Umweltfaktoren hin: Die Prägung in der Kindheit, traumatische Erlebnisse, aber auch aktueller Alltagsstress tragen nachweislich zu psychischen Erkrankungen bei.

Es ergibt sich folglich ein multikausales Modell (ein Modell mit vielen Ursachen): Gene, biologische Schäden und frühe Kindheitserfahrungen können eine Verwundbarkeit oder Anfälligkeit für eine spezifische psychische Erkrankung bilden. Ob diese allerdings ausbricht, liegt vor allem an der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit. Überfordernder Alltagsstress, ungünstiger Umgang mit Herausforderungen, ungünstige Lebensentscheidungen und -überzeugungen (hier kommt der freie Wille ins Spiel) und aktuelle emotionale Belastungen bilden häufig den unspezifischen Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt: Die Krankheit bricht aus. Dieses Modell nennt sich Vulnerabilitäts-Stress-Modell oder Dispositions-Stress-Modell (was Verwundbarkeits-Stress-Modell bzw. Veranlagungs-Stress-Modell bedeutet). Es ist heute weithin wissenschaftlich akzeptiert, wenn auch leider nicht immer präzise genug, wenn es um den Einzelfall geht.

Denn: Ob nun die Gene oder die frühe Kindheit stärker zur Verwundbarkeit beigetragen haben, lässt sich im Einzelfall - und zumal in der Rückschau - meist nur schwer sagen. Lediglich für eine Gruppe von Menschen lässt sich (nach allem, was wir bisher wissen) behaupten, dass beispielsweise die Schizophrenie durchschnittlich einen deutlich höheren genetischen Anteil hat, als eine Trauma-Erkrankung. Diese Verwundbarkeit bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Krankheit ausbrechen muss: Ein vererbter "schlechter Rücken" führt nicht zwangsläufig zu einem Bandscheibenvorfall - es kommt darauf an, wie sich die Belastungen gestalten.

In der modernen Psychotherapie geht es nun zunächst um eine individuelle Analyse, um herauszufinden, welche Belastungen eine Krankheit ausgelöst haben und welche Belastungen diese aufrechterhalten. Weiter werden Strategien eingeübt, wie diese Belastungen besser abgepuffert oder vermieden werden können - auch mit Hilfe der Ressourcen (Stärken) einer Person. Allerdings lässt sich auch die Verwundbarkeit selbst abmildern, z.B. durch gesundheitsförderliches Verhalten ("Krankengymnastik" im psychischen Bereich - um beim Beispiel des Rückens zu bleiben). Manchmal kann hierbei auch prophylaktische Medikation helfen.

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